Der Metamux Kompass - Ein ethischer Kompass für Fortschritt

2018-07-15 by mira

In diesem Beitrag möchte ich aufzeigen, dass die Hoffnung auf eine bessere Welt nicht unbegründet ist 🎉 😃 Ich formuliere zu diesem Zweck eine These zur Qualifizierbarkeit von Fortschritt und beschreibe ein Instrument, den Metamux Kompass, welches dabei helfen kann den Fortschritt am richtigen Ort zu suchen. Hint: There is an english version of this article.

Vorab ein kurzer Hinweis zum Hintergrund dieses Beitrags: In einem vorgängigen Artikel habe ich über die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Privatheit, Autonomie und Demokratie geschrieben. Dabei habe ich auch postuliert, dass sich Autonomie, Demokratie und Zivilisierungsniveau gegenseitig stützen. Darauf aufbauend und erweitert mit der Erkenntnis, dass ein Zuwachs an Autonomie immer auch einen Zuwachs von Verantwortung impliziert, hat sich das hier beschriebene Konzept des Metamux Kompass entwickelt.

Ich beginne mit einer Behauptung: In jeder Gesellschaft gibt es essenzielle Stützpfeiler, welche die Gesellschaft tragen. Die Anzahl dieser Stützpfeiler ist genügend klein, so dass es jeder Gesellschaft möglich ist, sich vor einem selbstverschuldeten Kollaps oder Zerfall zu bewahren, indem die Stützpfeiler aktiv geschützt und gestärkt werden. Dies gilt prinzipiell für Gesellschaften beliebiger Grösse, sowohl für kleine ethnische Gruppierungen wie auch für die Menschheit in ihrer Gesamtheit.

Falls diese Behauptung zutreffend ist, so folgt daraus, dass Fortschritt qualifizierbar ist. Mit Fortschritt ist hier nicht einfach das Auftauchen von Neuerungen über die Zeit gemeint, sondern eine von der Gesellschaft feststellbare, qualitative Verbesserung beim Vergleich zweier Zeitpunkte. Stellt man also fest, dass die Stützpfeiler der Gesellschaft stabiler und stärker geworden sind als dies früher der Fall war, dann handelt es sich um Fortschritt.

Wenn wir Fortschritt aktiv unterstützen wollen, so müssen wir bereits heute wissen, welche Weichen dafür zu stellen sind. Oder anders gesagt müssen wir wissen, wo die richtigen und wichtigen Stellen sind, um dort nach dem Fortschritt zu suchen. Ein Kompass kann uns bei der Orientierung hilfreich sein.

Der Metamux Kompass ist ein kognitiver, ethischer Kompass. Er ermöglicht es uns, den Fortschritt am richtigen Ort zu suchen. So wie bei einem Magnetkompass die Nadel in Richtung des magnetischen Nordpols zeigt, so ist der Metamux Kompass anhand der Stützpfeiler einer Gesellschaft ausgerichtet.

Da sich Fortschritt hier über die Verbesserung des Zustands der Stützpfeiler definiert, ist zur Kalibrierung des Metamux Kompass lediglich die Auswahl der Stützpfeiler notwendig. Die Auswahl der Stützpfeiler erfolgt dabei auf der individuellen Ebene. Jede Person wählt diese nach eigenem Ermessen aus und kalibriert den Kompass so für sich selbst. Der effektive Manifestationsgrad der Stützpfeiler ist für deren Auswahl irrelevant, da sich ja die Gesellschaft der Zukunft durchaus auch auf emergenten oder heute noch gänzlich unbekannten Werten, Konzepten oder Kulturpraktiken abstützen könnte.

Eine beispielhafte Auswahl von essentiellen gesellschaftlichen Stützpfeilern könnte wie folgt aussehen:

Ausgangspunkt für die Suche des Fortschritts ist hier also ein gewollter, positiver Effekt auf die Gesellschaft. Ausgehend von der Wirkung wird nach der Ursache gesucht. Fortschritt ist also primär dort zu finden, wo die Stützpfeiler der Gesellschaft aktiv geschützt und gestärkt werden.

Wie bereits erwähnt, geschiet die Auswahl der gewollten, positiven Effekte (die zu stärkenden Stützpfeiler) auf individueller Ebene. Die Verdichtung der individuellen Selektionen auf die gesellschaftliche Ebene kann dann über etablierte Mechanismen erfolgen, beispielsweise über Lehre, Demokratie und den Markt.

Mit dem Setzen von Schutzzonen um die Stützpfeiler können diese von Experimentierfeldern abgegrenzt werden, in welchen Disruption eingeschränkt stattfinden kann.

Wendet man den Metamux Kompass an, so kann man durchaus auf Erkenntnisse stossen, die auf Anhieb erstaunlich oder sogar beunruhigend erscheinen mögen. Es lohnt sich aber, gerade diese Erkenntnisse genauer zu analysieren um sie besser verstehen zu können. Alleine die gesellschaftliche Akzeptanz einer neuen Technologie oder Kulturtechnik ist nicht hinreichend, um besagte Technologie/Kulturtechnik als fortschrittlich zu qualifizieren. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Akzeptanz lediglich in der Mode der Zeit gründet. Oder auch dann, wenn die Akzeptanz primär durch Angst getrieben ist, beispielsweise die Angst vor dem Verlust von Wettbewerbsfähigkeit.

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